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Happy IDAHOT? - Noch lange nicht!

Stellungnahme der zum Internationalen Tag gegen Homo- & Transphobie, 17. Mai 2013

Logo mit Stoppt Homo- und Transphobie Auch heutzutage werden Homosexuelle noch nicht als das gesehen, (wer oder) was sie sind: Individuen mit menschlichen Grundbedürfnissen, Wünschen, Sehnsüchten und Vorlieben. „Der Homosexuelle“ (meist in der männlichen Form) als Stereotyp hat auch in einer aufgeklärten Gesellschaft noch nicht ausgedient. Immer noch werden Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen diskriminiert. Oft im alltäglichen Zusammenleben, noch öfter in den Köpfen der Mitmenschen...

... Dass dies oft hinter Vorgehaltender Hand geschieht – jedenfalls in den meisten reichen Industriestaaten – hängt damit zusammen, dass es gesellschaftspolitisch unerwünscht („politisch nicht korrekt“) ist, über Homosexualität zu schimpfen, zu lästern. Daher geschieht die Diskriminierung subtiler, und jedenfalls unterhalb der Gürtellinie. Am Arbeitsplatz oder in der politischen Diskussion reicht in der Regel das Voranstellen der sexuellen Orientierung vor die Berufs- oder Funktionsbezeichnung, um in einer Gruppe aufzuzeigen, dass es (lediglich) um Toleranz und nicht um Akzeptanz geht: der schwule Kollege, die lesbische Gemeinderätin, … Bei kennt man viele Beispiele, welchen Diskriminierungen gleichgeschlechtlich empfindende und l(i)ebende Menschen im Alltag ausgesetzt sind.

„Es geht nicht, darum toleriert zu werden, sondern darum, dass Menschen akzeptieren, dass es unterschiedliche Lebensentwürfe in unserer Gesellschaft gibt“, weiß Mag. Johannes Wahala, Leiter der Beratungsstelle , „und dass keiner dieser Entwürfe besser oder schlechter ist“. Die individuellen Wünsche und Vorstellungen sind bunt und vielfältig. Auch zwischen heterosexuellen Beziehungen gibt es Unterschiede, aber diese werden in der Regel nicht von den Medien herangezogen, um darüber covertauglich zu berichten. Am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (International Day against Homophobia and Transphobia – IDAHO) ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es noch viel zu tun gibt. „Wenn ich Zeitungen lese, scheint es in der Mehrzahl der Berichte um das Zurschaustellen der Homosexuellen zu gehen“, fasst Mag. Wahala die Berichterstattung zusammen. Oftmals wird ausschließlich männliche Homosexualität dargestellt. „Eine schiefe Optik. Und darüber hinaus in einem eigenartigen Licht“, meint Mag. Wahala. Weibliche Homosexualität werde jedenfalls anders dargestellt und wahrgenommen als männliche. Auch innerhalb der gleichgeschlechtlich lebenden Gemeinschaft ist die Rezeption von Homosexualität oftmals unterschiedlich. Während Lesben froh darüber sein können, nicht am Titelcover eines Wochenmagazins als „Leidende“ dargestellt zu werden, unterliegt weibliche Homosexualität einer wesentlich stärkeren gesellschaftlichen Tabuisierung als männliche. „Lesben werden doppelt diskriminiert“, erklärt Mag. Wahala, warum es wichtig ist, dass auch weibliche Homosexualität in den Fokus der medialen und letztlich auch gesellschaftlichen Wahrnehmung rückt. Denn viele Menschen haben nach wie vor (nicht nur homophobe, sondern auch romantisierende) Zerrbilder und Vorurteile im Kopf. Dies führt von alltäglichen (mehr oder weniger subtilen) Sticheleien zu ausgeprägten Aversionen, zur Befürwortung von Diskriminierungen, Gutheißen von staatlicher Repression, bis hin zu Hass und körperlicher Gewalt. Das liege vor allem daran, dass die politische und mediale Instrumentalisierung von Vorurteilen oft nicht als solche erkannt wird.

„Akzeptanz der Vielfalt anstelle der Toleranz des Andersartigen. Eine tolerante Gesellschaft erkennt man daran, dass die darin lebenden Menschen die Vielfalt der individuellen Lebensentwürfe positiv wahrnehmen, akzeptieren und als Bereicherung für sich und die Gesellschaft sehen“, ist Mag. Wahala überzeugt, dass der 17. Mai erst dann wirklich gefeiert werden kann, wenn auch in diesem Bereich des gesellschaftlichen Zusammenlebens – unabhängig von der sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität des Individuums – Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit herrschen. Denn der Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz steckt im Detail. Während die lediglich Tolerierten niemals als gleichwertige Menschen angesehen werden, sind die Akzeptierten Teil der Gesellschaft und gar nicht mehr aus dieser wegzudenken. Auch im dritten Jahrtausend sitzen die lange Zeit geprägten Vorurteile gegen Homosexuelle Menschen und Trans*Gender Personen noch tief: War Homosexualität im Mittelalter noch „Sünde“ oder „wider der Natur“, so glauben heute noch immer viele Menschen, Homosexualität und Transidentität seien eine psychische Störung/Krankheit. Besonders in fundamentalistisch-religiösen Milieus mehren sich wieder die Versuche „Heiltherapien“ anzubieten.

An diesem Punkt setzt auch die großangelegte Aufklärungskampagne der , HOMOPHOBEXforte – Wir heilen Dich! an. So gilt es nicht mehr, Homosexualität zu heilen, sondern die Homophobie. HOMOPHOBEXforte, so der Name des Heilmittels, ist ohne Verschreibung erhältlich und hilft vor allem gegen Homo- und Transphobie, aber auch bei Diskriminierungszwang, Mobbingsucht und Gewaltbereitschaft. Die neue Rezeptur kommt ganz ohne den Wirkstoff Toleranz aus. HOMOPHOBEXforte wirkt zwar nicht sehr schnell, dafür nachhaltig und zuverlässig im Kopf der Betroffenen, Ängstlichen und Leidenden. Langfristige Auswirkungen dieses Präparats sind die Verminderung von individuellen Ängsten, die Abnahme von Wut und Aggressionen, die Entwicklung eines positiveren und erweiterten Selbstbildes sowie eine offene, auf gegenseitigen Respekt aufbauende Gesellschaft. Die Kampagne wirkt zwar wie eine lustige Aktion, hat aber einen ernsten Hintergrund. Es gilt zu bedenken, dass sich das „Krankheitsbild“ Homosexualität – wie auch Transidentäten – noch hartnäckig hält, und das obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Diagnose „Homosexualität“ vor über 20 Jahren, nämlich am 17. Mai 1990 aus dem internationalen Diagnoseklassifikationssystem (ICD) ersatzlos gestrichen hat.

Gleichgeschlechtlich Empfindende und L(i)ebende wollen – als gleichberechtigte und gleichwertige Individuen – in einer Gesellschaft, die an sich selbst den Anspruch stellt, aufgeklärt zu sein und die Vielfalt fördern zu wollen, akzeptiert werden. fordert daher in ihrer täglichen Arbeit, und vor allem auch am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, mehr in der Gesellschaft, allen voran in Politik, Bildung und Wirtschaft.

– nicht nur am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie!

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