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Erneut Homophobe Entgleisung in der Katholischen Kirche Österreichs

Erneut sorgen Aussagen des Pfarrers von St. Veit am Vogau, Karl Tropper, für Aufsehen. Dieser bezeichnet im aktuellen Pfarrblatt Homosexualität als heilbare Krankheit und legt dem Pfarrblatt außerdem „wissenschaftliche“ Erkenntnisse bei, die diese Aussagen bestätigen sollen. „Diese Aussagen sind humanwissenschaftlich falsch. Sie zeugen von massiver verbaler, psychischer und religiöser antihomosexueller Gewalt. Tropper schürt damit Homophobie und Schwulenhass. Therapien, die eine Veränderung der sexuellen Orientierung zum Ziel haben, sind deshalb nicht nur unmöglich, sondern geradezu antitherapeutisch, unethisch und inhuman, da sie die Menschen nicht zur Selbstfindung führen, sondern zu einer Verleugnung und einem Vorbeileben an ihrer wahren Identität“, so Johannes Wahala, katholischer Theologe, Psychotherapeut und Sexualforscher.

Wahala, der die Familienberatungsstelle für gleichgeschlechtliche und transGender Lebensweisen leitet und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung ist, stellt klar, „dass aus medizinischer und psychotherapeutischer Sicht Homosexualität nicht heilbar ist“. Dem Rechnung tragend wurde 1987 von der American Psychiatric Association im DSM-III-R und 1991 von der Weltgesundheitsorganisation im ICD-10 Homosexualität als Diagnose einer psychischen Störung ersatzlos gestrichen. „Die heutigen humanwissenschaftlichen Kenntnisse lassen eindeutig erkennen, dass die homosexuelle Orientierung neben der Heterosexualität als eine eigene anthropologisch gegebene Grunddisposition menschlicher Sexualität betrachtet werden muss und als solche keine wie auch immer geartete Affinität zu psychopathologischen Entwicklungen aufweist. Heterosexualität und Homosexualität sind verschiedene Ausprägungen der einen vielgestaltigen Sexualität. Homosexualität ist also nicht krankhaft, abnorm oder gar pervers, sondern eine Entwicklungsvariante und so auch eine Ausdrucksform menschlichen Lebens.“

Erst kürzlich hat Prof. Robert Spitzer von der Columbia Universität seine umstrittene Studie zur „Konversionstherapie“ zurückgezogen, in welcher 200 Probanden befragt wurden, welche an eine „Heilung“ glaubten. „Meine Studie zeigt nur, was Menschen, die diese Therapie gemacht haben, darüber sagen, mehr aber nicht“, so Spitzer jetzt. Er erklärte, dass Versuche, Homosexualität zu unterdrücken, „viel Schaden“ anrichten könnten.

Die Beratungsstelle ist besorgt wegen den Auswirkungen derart diffamierender Aussagen gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen gegenüber. „Wir wissen heute, dass die Selbstmordversuchsrate in Österreich bei Homosexuellen siebenmal so hoch ist als bei Heterosexuellen. Hauptursache ist die mangelnde familiäre, soziale und rechtliche Unterstützung! Über 90% aller Selbstmordversuche von gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen geschehen im Alter zwischen 15 und 27 Jahren, also während des oft sehr schmerzhaft erlebten Coming-out-Prozesses. Aussagen wie die des katholischen Pfarrer Tropper verstärken die irrationalen Ängste und Vorurteile Homosexueller gegenüber sowie deren gesellschaftliche Diskriminierung und führen dazu, dass Lesben, Schwule und Transgender-Personen im Finden und Empfinden ihrer wahren Identität verstört und behindert werden.“, so Mag. Wahala. „Ich hoffe nicht, dass unsere Jugendlichen der sogenannten „Reparativ- oder Konversionstherapie“ überlassen werden, die Pfarrer Tropper scheinbar propagiert. Einige dieser Jugendlichen kommen nach dieser angeblichen „Umpolung“ schwer depressiv und zum Teil auch paranoid bzw. psychotisch an die Beratungsstelle , weil sie in ihrem Selbstbild total verunsichert und verletzt sind.“

begrüßt hingegen die Distanzierung des Pastoralamtes der Diözese Graz-Seckau, die klare Worte findet: „Ich bin sehr betroffen und auch erschüttert, denn für die Kirche ist es ganz klar, dass die Würde der Person, unabhängig von der sexuellen Ausrichtung gegeben ist.“, so Mag. Johannes Ulz.


ORF-Artikel zum Thema:
http://steiermark.orf.at/news/stories/2529140/

Artikel zu Robert Spitzer:
http://www.queer.de/detail.php?article_id=16297

Rückfragehinweise:
Beratungsstelle
Web: www.courage-beratung.at
Tel.: 01/585 69 66
Mail: info@courage-beratung.at

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